Geschichte der Clans - Teil 2

 

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Doch obwohl die Statuten von Iona eine legale Art, Auseinandersetzungen beizulegen, einführten, so blieb doch die traditionelle Zerrissenheit der Highlands erhalten. Kurz nach der Ratifizierung der Statuten wurde, um ein Beispiel zu nennen, Islay mehrfach hintereinander besetzt, zuerst von Sir James MacDonald, dann von den Campbells, von den MacDonalds und vom Earl of Argyll mit einer Truppe aus London. Und zuletzt im Jahre 1688, das Jahr der glorreichen Revolution, das Jahr, welches den letzten Stuart König fallen und den Austausch der 'gottgegebenen' Herrschaft gegen die verfassungsmässige Monarchie sah, wurde die letzte Schlacht zwischen zwei Clans geschlagen.

Die Schlacht von Mulroy wurde zwischen den MacKintoshes und den MacDonalds of Keppoch geschlagen. Die MacDonalds hielten Land in Lochaber (Glen Spean und Glen Roy) nach dem Clanprinzip. MacKintosh behauptete, er hätte königliches Recht - sheepskin grants - auf dieses Land. MacDonald verachtete solche 'Rechtlichkeiten'. MacKintosh ahnte Probleme und holte sich die königliche Erlaubnis, mit einer Armee seiner eigenen Clansmen, seiner Verbündeten und einer Kompanie königlicher Truppen unter Befehl von MacKenzie of Suddie, sein Recht bei den MacDonalds durchzusetzen. Verschiedene Teile des Clan Donald vereinigten sich und vernichteten die MacKintoshs bei Mulroy. Aufgrund dieser unerwarteten Niederlage und des Todes eines Offiziers der Krone wurden reguläre Truppen zur Zerstörung der Keppoch Ländereien und diesem Zweig des Clan Donald entsandt. Bei diesem letzten der Clankriege wurden zum ersten Mal auf beiden Seiten fast ausschliesslich nur Breitschwerter (broadswords) benutzt. Die Reaktion der Regierung liess den MacDonalds keine Alternative, als sich James Graham of Claverhouse (Bonnie Dundee) anzuschliessen. Sie fochten ausgezeichnet bei Killiecrankie für die Sache der Stuarts. Bonnie Dundee fiel bei Killiecrankie und der enthobene James wusste nichts besseres zu tun, als die freie Position einem normalen Offizier zu übergeben, der keine Ahnung hatte vom Leben und Denken der Highlander. Dieser verlor sehr schnell den Respekt der Truppe, unter anderem auch von Cameron of Lochiel und MacDonald of Sleat. Wenige Tage nach Ernennung des neuen Offiziers gingen sie heim. In der Folge verlor James die Schlacht gegen William of Orange in der Schlacht von Boyne und Britannien war bereit für eine neue konstitutionell und kommerziell fruchtbare Ära, in welcher die Clans keinen Platz mehr hatten.

William of OrangeWilliam of Orange (William III.)Dies war zumindest die Sicht William III. Nach der Konsolidierung seiner Krone auf dem Schlachtfeld entschied William, dass etwas Drastisches mit den Clans zu geschehen hatte, die auf der Seite der Stuarts fochten. Für Sir John Dalrymple, Master of Stair, Staatsuntersekretär für Schottland, lag die beste Lösung in der Zähmung der Highlander. In dieser Sache wurde John Campbell, Earl of Breadalbane begünstigt. Ihm wurden £ 12'000 für den Zweck überreicht, Loyalität von den Clanchiefs zu erkaufen. Doch was immer mit dem Geld passierte (Breadalbane weigerte sich, dafür einzustehen), war da keine Zunahme von Respekt gegenüber der Krone auf Seiten der Clans zu bemerken. Dalrymple vetraute danach Breadalbane an, "..der Clan Donnell muss ausgerottet werden...." und zur Sache der £ 12'000 "Gott weiss, ob die £ 12'000 Sterling besser zur Beruhigung der Highlands oder zu deren Brandschatzung geeignet waren ... ich denke, wir sollten sie ausrotten, bevor sie die Hilfe bekommen, die sie benötigen...".

Es wurde entschieden, dass alle Clanchiefs bis zum 1. Januar 1692 dem König den Fahneneid zu schwören hätten, ansonsten sie "...mit Feuer und Schwert und aller Feindlichkeit..." rechnen müssten. Das Datum war offensichtlich so gewählt worden, unter dem Bewusstsein, dass der harsche Winter der Highlands eine Mobilisierung der Clans verunmöglichen würde. "Die Winterzeit", erklärte Stair, "ist die einzige Saison, in welcher wir sicher sein können, dass die Highlander nicht mit ihrem Frauen, Kinder und Vieh fliehen können ... Dies ist die richtige Zeit, sie in den langen dunklen Nächten heimzusuchen." Nicht überraschend schworen alle Clanchiefs den Eid bis zum 1. Januar 1692, ausser dem starken MacDonnell of Glengarry und dem alten MacIan MacDonald of Glencoe. MacIan versuchte, die Eingabe am 31. Dezember in Fort William zu machen, doch wegen der Abwesenheit eines Magistrats nach Inveraray (Sitz der Campbells) weitergeschickt (eine andere Version erzählt, er wurde von Stair bewusst zuerst nach Fort William beordert). Es war ein strenger Winter, und MacIan erreichte Inveraray erst am 2. Januar. Der Sheriff war abwesend und so gelang es ihm erst am 6. Januar, den Eid zu schwören. William brauchte aber ein Exempel zu statuieren und schrieb an seinen General: "Wenn MacIan of Glencoe und seine Sippe leicht vom Rest zu separieren sind, wäre es eine passende Rechtfertigung durch die öffentliche Justiz, dieses Diebesgesindel zu bestrafen." 120 Männer des Regimentes des Earl of Argyll unter dem Befehl von Captain Robert Campbell of Glenlyon erhielten Quartier in den Hütten des Glencoe. Die Truppen wurden mit der legendären Gastfreundschaft der Highlands empfangen und 15 Tage freundschaftlich von den MacDonalds bewirtet. Captain Campbell selber genoss das Kartenspiel mit dem alten MacIan und seinen Söhnen. Am 12 Februar erhielt Campbell den Befehl von Major Duncansson, die MacDonalds zu strafen. Der Befehl lautete wie folgt (in altem Englisch):

Der originale Befehl an Captain CampbellDas Original: Der Befehl an Captain Campbell zur "Bestrafung der MacIan's.To Captain Robert Campbell of Glenlyon 'For Their Majesties' Service' Sir, You are hereby ordered to fall upon the rebels, the M'Donalds, of Glencoe and putt all to the sword under seventy. You are to have special care that the old fox and his sons doe upon no account escape your hands. You are to secure all the avenues, that no man may escape. This you are to putt in execution at five o'clock in the morning precisely, and by that time, or very shortly after it, I'll strive to be att you with a stronger party. If I doe not come to you att five, you are not to tarry for me, but to fall on. This is by the King's special command, for the good of the country, that these miscreants be cutt off root and branch. See that this be putt in execution without feud or favour, else you may expect to be treated as not true to the king's government, nor a man fitt to carry a commission in the king's service. Expecting you will not faill in the fulfilling hereof as you love yourself, I subscribe these with my hand.

Master of the Stair (John Dalrymple)

Am selben Abend noch spielte Campbell mit MacIans Söhnen Karten und meinte, wie er sich freuen würde, am nächsten Abend mit dem Chief zu speisen. Doch noch bevor die dunkle Nacht vorbei war, begannen am Morgen des 13. Februar um 5:00 die Soldaten ihre Arbeit. MacIan erwischten sie in seinem Bett und seiner Frau wurde nach der Schändung von einem Soldaten der Finger abgebissen, um an den Goldring zu kommen. Sie wurde blutend im Schnee zurück gelassen. 39 Clansmen wurden im Schlaf überrascht, die Hände und Füsse gebunden und im Schnee exekutiert. Ihre Hütten wurden niedergebrannt. Als die restlichen Clansmen realisierten, was geschah, flüchteten sie durch dichten Schneefall in ihre geheimen Unterschlüpfe. Dabei starben nochmals sehr viele Mitglieder des Clan MacIan, doch die Hälfte überlebte. Nicht nur war dies ein abscheuliches Verbrechen, wurde so auch die alte Tradition, selbst seinen Feinden Unterkunft und Schutz zu geben, aufs Ärgste und bewusst verspottet.

Highlander haben ein langes Gedächtnis, und selbst heute verursacht der Name Glencoe starke Gefühle und Bitterkeit. William of Orange demonstrierte eindrücklich seine Macht und seine Entschlossenheit, doch gleichzeitig machte er die Stuarts attraktiver als sie waren. Nach der Union of Parliaments 1707 fanden sich die Clans in einer Minorität im "Norden Britanniens" wieder, und ihre Hoffnung wurde mehr und mehr an eine Person gebunden, den "king over the water" in Frankreich: James Francis Edward, "the Old Pretender". 1714 bestieg George I. den Thron von Grossbritannien. Er war unattraktiv, intellektuell zurückgeblieben und ignorierte weitestgehend sein Königtum. Es schien für die Jakobiten die ideale Zeit zu sein, die Stuarts wieder einzusetzen. Ihre Rebellion kam langsam in Fahrt. Der König setzte den Earl of Mar als Staatssekretär für Schottland ab. Dieser aber versuchte Monate lang, George I. von seiner Loyalität zu überzeugen. Zuletzt machte der König unmissverständlich klar, dass er keinen Grund habe, Mar wieder einzusetzen. "Bobbing John" (wie Mar wegen seiner Unschlüssigkeit auch genannt wurde) kehrte nach Schottland zurück und lud 1715 die Clanchiefs zu einer Jagd nach Braemar. Er hisste die Standarte für James VIII. und III. und erklärte sich zum Commander in Chief für Schottland.

Auch wenn Mar die Mehrheit der Clanchiefs hinter sich wusste, seine militärische Inkompetenz strafte seiner Ernennung Lügen. Mit 10'000 Clansmen eroberte er Perth und ruhte sich dann auf seinen Lorbeeren aus. Faktisch hatte er aber nichts erreicht. Mar hätte Stirling nehmen können und nach Edinburgh marschieren, denn der Duke of Argyll hatte in Stirling nur 2'000 Mann, doch seine militärische Reputation schüchterte Mar ein. Und Mar tat nichts Positives mehr. Im November entschloss er sich, nach Auchterarder zu marschieren, doch da hatte Argyll seine Armee schon lange verstärkt, und sie trafen sich bei Sheriffmuir. Mar's Highlander stritten hervorragend gegen Argyll's Männer, doch was Mar an taktischer Expertise fehlte, hatte Argyll im Überfluss. Die Schlacht wurde nicht entschieden, wie auch ein altes Lied dies bestätigt:

There is some say that we wan,
And some say that they wan,
And some say than nan wan at a', man,
But one thing I'm sure
That at Sheriffmuir
A battle there was I saw, man.

Nach der Schlacht griffen sich die jakobitischen Clans soviel Beute wie möglich und gingen damit heim. In Erwartung einer neuen Schlacht (und dadurch auch mehr Beute) gegen Argyll sammelten sich die Clans abermals früh im Jahre 1716. Mar hatte sich allerdings dann schon zurückgezogen, und müde vom Warten auf Entscheidungen verlief sich die Sache im Sand. James Francis Edward erging es gleich. Einen Monat nach seiner Landung bei Peterhead hatte er genug gesehen und verliess Schottland Richtung Frankreich für immer - und mit ihm "Bobbing John". Er liess mit dem Kollaps der Rebellion die Highlander allein zurück, die nun die Konsequenzen zu tragen hatten. Strafmassnahmen wurden kurz nach einem anderen Stuart Abenteuer 1719, als eine weitere jakobitische Unternehmung am Pass of Glenshiel totlief, eingeleitet.

Es war offensichtlich, dass die Clans militärische Vorteile aus der Unzugänglichkeit der Highlands zogen. Um dies auszugleichen (aus ihrer eigenen Sicht), gab die Regierung den Auftrag an General George Wade, Schottlands Commander-in-Chief, die Highlands zu erschliessen. Wade plante mit grosser Genialität ein Strassennetzwerk, beginnend bei Perth, durch die Highlands schlängelnd die Verbindung der Forts George, Augustus und William mit Inverness. Unter einem Entwaffnungsgesetzes (Disarming Act) entzog Wade den Clans die Waffen. Und dies obschon er gewusst haben muss, dass er mehr veraltete Claymores einsammeln würde, als irgend etwas anderes. Danach reorganisierte Wade sechs der "Highland Independent Companys" (eine Art milit. Truppe) und setzte sie als Polizeikraft in den Highlands ein. Ein Bericht Wade's 1724 an die Regierung gibt einen guten Eindruck der damaligen Verhältnisse in den Highlands. Wade schätzte, dass etwa 22'000 Mann waffentauglich waren - die Hälfte davon würden wahrscheinlich eine Stuart Rebellion unterstützen. Aus diesen Zahlen lässt sich die damalige Population in den Highlands abschätzen: ca. 150'000.

Was aber die Regierung fürchtete, war nicht die Anzahl potentieller Kämpfer, sondern die Kampfkraft, welche die Highlander repräsentierten. Am gefürchtetsten war der "Highland charge". Das war eine Art Überraschungsangriff als Erstschlag, bei dem die Highlander ohne Rücksicht auf das eigene Wohl, am linken Arm eine Tartsche, in der linken Faust ein Dirk, mit der Rechten Pistolen abfeuernd in den Feind stürzten und danach die Breitschwerter ziehend ein Blutbad anrichteten. Diese Angriffstechnik terrorisierte den Feind und wurde beim Aufstand '45 gefürchtet. Es war tatsächlich Bonnie Prince Charlie's Geheimwaffe.

Bonnie Prince Charlie im GlenfinnanBonnie Prince Charlie im Glenfinnan30 Jahre später, nachdem sein Vater '15 gescheitert war, landete Charles Edward Louis Philip Casimir Stuart mit sieben Gefolgsleuten und keiner bewaffneten Unterstützung auf Eriskay, einer kleinen Hebrideninsel. Er landete in einem Land, von dem er nichts wusste, um eine Krone zu gewinnen, die er noch nie gesehen hatte. Mit der naiven Überzeugung im Recht zu sein, gewann er Cameron of Lochiel und hisste am 19. August 1745 im Glenfinnan seine Fahne vor etwa 1200 Clansmen. Von da an folgte Erfolg dem Erfolg, er eroberte Edinburgh und besiegte spektakulär Sir John Cope bei Prestonpans. Bonnie Prince Charlie war nun im Besitz von ganz Schottland - für einen Stuart reichte dies aber nicht. Mit seiner 5'000 Mann starken Armee marschierte er in England ein, nahm sich Carlisle, Preston Lancaster, Manchester, Macclesfield und dann Derby.


Plötzlich, 150 Meilen vor London, sahen sie sich einer sechsfachen Übermacht gegenüber, und die Berater des Prinzen fielen in Panik. Der Prinz wollte vorwärts, und meinte eine grosse Chance zum Sieg zu erkennen, hatte er doch noch nie die Niederlage kennen gelernt. Und obwohl er meinte, "Bevor ich umkehre, möchte ich lieber 20 Fuss unter der Erde sein", wurde er zur Umkehr überredet. Und seine Armee zog sich zurück -bis nach Inverness. Und da bei Culloden, am 16. April 1746, wurden die kranken, hungernden und demoralisierten Highlander von 9'000 regulären englischen Truppen unter dem Kommando des Duke of Cumberland, der noch nie eine Schlacht zuvor gewonnen hatte, attackiert. Cumberland brauchte 25 Minuten, um die Highlander Armee im Culloden Moor zu zerstören. Unter den herrschenden Umständen konnte er gar nicht verlieren. Am Tag zuvor bestand die Tagesration der Highlander aus einem Biskuit. Ein total unorganisierter Nachtmarsch tat das Seinige dazu. Die Highlander waren zu diesem Zeitpunkt gar nicht in der Lage, eine Schlacht zu führen. Cumberland, "der Schlächter", kannte keine Gnade. Die Verletzten wurden zum Sterben liegen gelassen, die Gefangenen bei lebendigem Leibe verbrannt, die Toten der Verrottung preisgegeben. Nach der Schlacht zerstörte der Duke alle Dörfer und Städte, die seiner Meinung nach mit den Jakobiten sympathisierten. Der Prinz konnte entkommen, flüchtete über die Hebriden zurück nach Frankreich, wo er dann ein ausschweifendes Leben führte.

Die Highlander lagen am Boden, es galt nur noch, ihren Geist zu brechen. Dies wurde durch einen Disarming Act erreicht, durch Verbot des Highland Dress und einer Kampagne, die gälische Sprache zu verdrängen und aus den Highlandern gottesfürchtige Protestanten zu machen. Diese Massnahmen waren so erfolgreich, dass die Regierung das Verbot über den Highland Dress im Jahre 1782 wieder rückgängig machen konnte. Doch auch der Kilt konnte den Geist der Clans nicht zurückrufen. Die Clansmen waren fügsam geworden, fügsam wie Schafe. Und sie wurden durch Schafe ersetzt, hauptsächlich durch die Rassen der Great Cheviot und der Blackface. Der Kampfgeist der Highlander war gebrochen und sie wurden aus ihren Glens entrissen und zur Emigration gezwungen. Die Alternative: die Armee. Es spricht für sich, dass zwischen 1740 und 1815 86 Hochland Regimenter entstanden. Eine grosse Rolle in diesem Vorgang spielten auch die Clan Chiefs. Nachdem das Clansystem untergegangen war und sie zum Landadel reduziert waren, schien ihnen die Schafzucht profitabler als Verpachtung.

In nur einem Fall protestierten die Clansmen gegen diesen Wandel. 1792 marschierten etwa 400 Männer von Ross und Sutherland südwärts, die Schafe samt Hirten aus dem Land zu vertreiben. In Lairg gestartet, kamen sie mit etwa 6'000 Schafen etwa 30 Meilen weit bis nach Alness, als sie Nachricht bekamen, dass die Black Watch aus Fort George unterwegs waren. Die Highlander flohen Hals über Kopf in Schande, und das Jahr ging als Bliadhna nan Caorach - das Jahr des Schafes - in die Geschichte ein.

Es mag verwundern, dass die Lowlands über die Highlands triumphierten, aber sie taten es. Schottland bestand aus zwei Nationen: Eine kommerziell denkend und mit England sympathisierend, die andere bäuerlich und mit gälischem Temperament. Und auf einmal wollte die englisch sprechende Welt nicht nur die Clans nicht mehr loswerden, sie wollte sogar ihr Andenken bewahren. Sie wollte das pittoreske Kostüm ohne den gälisch sprechenden Barbaren drin.

Sir Walter ScottSir Walter ScottSir Walter Scott romantisierte wie kein anderer die Clans, und aus einmal war die Bewegung nicht mehr aufzuhalten. Um 1800 woben William Wilson & Son in Bannockburn nur ein paar wenige Tartans. Beim Besuch George IV. in Edinburgh waren es schon 150. Und heute gibt es hunderte von Tartans, und täglich kommen neue, kommerzielle Varianten dazu. George's Besuch 1822 war die Apotheose dieser von Scott initiierten Bewegung. In der Tat war Scott in die Vorbereitungen integriert und überwachte persönlich den Besuch des Königs. George erschien im Kilt und im Plaid, natürlich im Stuart Tartan. Nach dem Dinner im Parliament House sprach er einen Toast aus:

"Health to the chieftains and clans, and God Almighty bless the Land of Cakes. Drink this with three times three, gentlemen."

Und er schmeichelte Lady Anne Grant mit den Worten, sie sei wirklich eine Kostbarkeit, welche bei den Clans das Rittertum wieder hervorbrächte.

Jahre später, nach einem Aufenthalt mit Viktoria in Balmoral, kaufte Prinz Albert das Anwesen, liess die alte Burg abreissen und gab ein neues, grandioses Schloss in Auftrag, dessen Erbauung er persönlich überwachte - bis zur Auswahl der Tartanteppiche. Viktoria nannte Balmoral ihr 'geliebtes Paradies' und wurde nie des Charmes des Anwesens und dessen Assoziationen zu den Highlands überdrüssig. Nach einem Besuch am Glenfinnan Monument im Jahre 1873 schrieb sie in ihr Tagebuch: "Welchen Anblick musste das 1745 gewesen sein! Und hier war ich, Abkömmling der Stuarts und des Königs, welchen Prinz Charles versuchte zu schlagen, friedlich hier sitzend."


Es war wahr. Die Clans waren verschwunden und überlebten nur in der Erinnerung. Doch es sind starke Erinnerungen, welche jeden mit schottischen Verbindungen dazu drängen, sich einem Clan zuzuwenden. Heute existieren mehr als tausend Pipe Bands in Schottland, das 'Scots Ancestry Research Council' behandelt jährlich über tausend Abstammungsanfragen nur aus den US. Es gibt mehr als tausend Tartans (was damals die Clansmen nur verwirrt hätte). Clan Societies bewahren alte Burgen, internationale Clan Treffen werden abgehalten, und die ganze Zeit über bahnen die Busse ihren Weg durch die Straths und Glens, Ausschau haltend nach Zeugen der glorreichen Vergangenheit der Clans.

Die Clans existieren nur noch in der Geschichte. Zum Zeitpunkt von Culloden Moor waren sie in den Augen der Lowlands eine anachronistische Erscheinung. Doch sie hatten ihre Sprache, ihre Kultur und ein Land für sich. Und sie wurden davon entrissen. Vielleicht liegt der Grund, warum Menschen so sentimental über die Clans fühlen, in der Tatsache, dass ihr Verschwinden aus der Geschichte so dramatisch total war, so plötzlich und tragisch. Diese Stimmung wird vielleicht am besten in einem Lament ausgedrückt, 'The Canadian Boat Song':

From the lone shieling and the distant island
Mountains divide us and a waste of seas;
But still the blood is strong, the heart is Highland
And we in dreams behold the Hebrides.