Geschichte der Clans - Teil 1

 

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Heutzutage besteht grosses Interesse an den schottischen Clans, doch als eine soziale Institution erhielt das Clan System den Todesstich, gleich seinen Clansmen, in der Schlacht bei Culloden 1746. Den Stuarts loyale Clans wurden im Auftrag des Duke of Cumberland erbarmungslos verfolgt, und die englische und schottische Gesellschaft der Lowlands spannten zusammen, um die sogenannte zivilisierte Welt von der Bedrohung der furchtbaren Rasse der Highlander zu befreien. Der Highland Dress wurde verboten, die Clans entwaffnet, und sogar die Bagpipes, als Kriegsinstrument, wurden verbannt. Als Dr. Samuel Johnson 1773 die Highlands besuchte, entdeckte er die Auswirkungen dieser Massnahmen. "Die Clans", schrieb er, "haben kaum mehr ihren originalen Charakter, ihr wildes Wesen ist gezähmt, ihre militärische Leidenschaft gelöscht, ihr Sinn für Unabhängigkeit erschlagen, ihre Verachtung der Obrigkeit unterdrückt, und die Verehrung für ihre Chiefs hat nachgelassen. Waren sie früher die Herrscher ihres Landes, bleiben nur noch ihre Sprache und ihre Armut." So war es keine Überraschung, dass bei Beginn der Clearances, nachdem die Regierung 1782 die Restriktionen aufgehoben hatte, kein Widerstand seitens der Clans vorhanden war. Statt des Widerstands wurde die einheimische Bevölkerung in den Highlands entfernt, um genügend Land für die Schafzucht zu gewinnen. Die Chiefs wurden nicht mehr und nicht weniger zu Landlords, Verwalter ihres Landes, und Schafe brachten grösseren kommerziellen Ertrag als Clansmen. Das Clan System war ausgelöscht, die Clansmen emigriert, ins Militär eingetreten oder Kleinpächter geworden. Britannien war endlich frei von den aufsässigen Kelten. Um zu verstehen, wie die Wiederbelebung des Clansman zu einem Volkshelden und einer Hauptattraktion des Tourismus führte, ist es wichtig, seinen Spuren vom Ursprung bis zum Fall zu verfolgen.


Das nachrömische Alba wurde von vier Völkern besiedelt, wobei drei von ihnen, die Pikten (Picts), die Skoten (Scots) und die Briten (Britons), keltischen Ursprungs waren. Das vierte Volk, die Angeln (sie besiedelten Lothian) waren Teil einer teutonischen Invasion in England (fünftes Jahrhundert), welche die Kelten nach Strathclyde, Wales und Cornwall verdrängte. Die unmittelbare Zukunft Albas lag aber in den Händen der Skoten und Pikten. Die Skoten kamen von Antrim, Nordirland, um eine Kolonie in und um Argyllshire zu etablieren. Sie nannten ihre Kolonie Dalriada nach ihrer Heimat in Antrim. Da sie sich in der neuen Umgebung so gut einleben konnten, haben sie sie vielleicht sogar dem originalen Dalriada bevorzugt. Um ca. 500 a.d. gründete Fergus Mor, Sohn des Erc, eine neue Dynastie in Dalriada, mit Zentrum in Dunadd. Aus dieser permanenten Position in Alba begannen die ambitionierten Skoten, ihren Einflussbereich auszubreiten. Zuerst teilten sich Fergus und seine Brüder Dalriada untereinander auf. Dies waren die ersten Clans in Alba: Cinel Lorn, Cinel Garran, Cinel Comgall und Cinel Angus.

Es waren irische Skoten, die einen dynastischen und territorialen Anspruch nach Alba brachten, und es war eine anderer irischer Skote, Columba, der den christlichen Glauben brachte. Obwohl eigentlich St. Ninian dies schon früher tat, war seine Arbeit nicht von Erfolg gekrönt. Als Columba 563 a. d. nach Alba kam, kontrollierten die Pikten den grössten Teil der Lande nördlich des Forth. Aus seiner kleinen Priorei auf Iona, einer kleinen Insel an der Westküste Mulls, missionierte Columba das gesamte Land. Von Dalriada über das Great Glen überzeugte er allmählich die heidnischen Pikten, ihre druidische Religion aufzugeben und den christlichen Glauben anzunehmen. Columbas grosser theologischer Sieg war der erste Schritt der kulturellen Eroberung des Piktenlandes durch die Skoten.

The Aberlemno Cross Slab zeigt piktische Krieger. Gegen Ende des achten Jahrhunderts begannen die Wikinger (Norsemen), an den nördlichen Küsten und auf den Inseln Albas einzufallen. Ihre immer wiederkehrenden Überfälle veränderten den Charakter der Hebriden, Orkneys und Shetlands für immer und erschöpften die Pikten. Aus diesem Grunde konnte Kenneth MacAlpine, König der dalriadischen Skoten, 843 seinen Anspruch auf den piktischen Thron ohne Probleme durchsetzen. Als König der Skoten und Verwandter der Pikten krönte er sich selber zu beider König im heiligen Zentrum der Pikten, in Scone. Diese Union der Pikten und der Skoten unter dem dalriadischen König bedeutete das Ende des Piktenlandes und der Beginn der Überlegenheit der gälisch sprechenden Skoten. Das Ende kam aber dank der Vorarbeit Columbas nicht plötzlich. Die Gemeinsamkeiten in Religion, Kultur und Königtum liessen die Pikten allmählich im skotischen Volk aufgehen.

Der Sieg des keltischen Königs Malcolm II 1018 über die Angeln bei Carham brachte die Lothians unter schottische Herrschaft. Im gleichen Jahr starb der König der Briten in Strathclyde, sein Thron ging an den Enkel Malcolms, Duncan, welcher 1034 König eines geographisch geeinten Schottlands wurde. Die Kelten haben zwar das Land geerbt, doch das Königtum sollten sie nicht unter Kontrolle haben. Duncan wurde 1040 im Krieg (und nicht im Bett, wie von Shakespeare behauptet) von MacBeth erschlagen, welcher wiederum 1058 von Duncans Sohn Malcolm getötet wurde. Malcolm III, oder Malcolm Canmore (aus dem Gälischen Ceann Mor: grosser Anführer), wurde berühmt durch die Begründung des Antagonismus zwischen Clan und Krone, welches die gesamte schottische Geschichte beeinflussen sollte, und der Entfremdung der Kelten. Verantwortlich dafür war jedoch seine Frau. Durch seine englische Erziehung bevorzugte Malcolm die angelsächsischen Lothians vor dem keltischen Norden. 1066 krönte er sich selbst in Dunfermline, und nicht in Scone. Im gleichen Jahr erreichte aus England eine Flut von angelsächsischen Flüchtlingen, die nach der verlorenen Schlacht bei Hastings gegen Wilhelm den Eroberer (der zuvor zuerst die Wikinger vertrieb) eine neue Heimat suchen mussten, die schottischen Lande. Malcolm hiess sie mit offenen Armen willkommen und heiratete sogar eine der Flüchtigen: Prinzessin Margaret, Schwester des Edgar von Atheling. Sie war schön, fanatisch religiös und eine sehr viel stärkere Persönlichkeit als ihr Mann. Unter ihrem Einfluss ersetzte Malcolm das Gälische durch das Sächsische als Hofsprache, versuchte mit Nachdruck dem schottisch-keltischen Klerus die römisch-katholischen Ritualen (Zölibat und Armut) aufzuzwingen und führte den Feudalismus im keltischen Schottland ein.

Die Kapelle zu Ehren Lady Margarets, verheiratet mit Malcolm Canmore,  auf Edinburgh CastleSt Margaret's Chapel - Die Kapelle zu Ehren der Ehefrau von Malcolm Canmore auf Edinburgh Castle.Im Prinzip ist der Feudalismus das pure Gegenteil des Clan Systems. Unter dem Ideal des Clans gehörte das ganze Land der Kommune und wurde von einem Anführer (Chief) verwaltet. Im Feudalismus ist alles Land königliches Land. Der Feudalismus implizierte die Autorität der Krone über die Clanchiefs. Er machte den König zum obersten Landherrn und alle Einwohner zu Vasallen. In den Clans war das Verhältnis der Clansmen zu ihrem Chief verwandtschaftlicher Art (ihm galt auch ihre ganze Loyalität), und nicht wie Untertan zum König. Die Entschlossenheit der erfolgreichen Könige, das Clan System durch den Feudalismus zu ersetzen, trieb einen Keil zwischen die keltischen Highlands und den sächsischen Lowlands. Seinen Höhepunkt erreichte dies im Culloden Moor.

Aufgrund der Geographie der Highlands ist es verständlich, dass es die schottischen Könige schwierig fanden, ihre Autorität über Menschen durchzusetzen, die weit ab in den schwer erreichbaren Bergen wohnten. In den Highlands, die imaginäre Grenze zwischen High- und Lowlands zog sich diagonal vom Clyde zum Tay, assoziierten sich die Clans mit klar abgegrenzten Gebieten, die sie als Familienerbe betrachteten. Tiefe Täler (Glens) zwischen steilen Bergen und sichere Gebiete wurden von den Clans bewohnt: Die Campbells in Mittel-Argyll, die Camerons in Lochaber, die Robertsons in Rannoch, die MacKays in Sutherland. Auch die Inseln waren für grössere Clans attraktiv: Die MacDonalds auf Islay, die MacLeans auf Mull, Tiree und Coll, während Skye von den MacDonalds, MacLeods und MacKinnons geteilt wurde.

Aufgrund der nur begrenzt fruchtbaren Erde verteilten sich die Clans in kleinen, sich selbst versorgenden Einheiten zwischen all den Bergen. Auf den Inseln und an der Küste ernährten sich die Clansmen mit Fisch und verkauften den Überschuss in die Lowlands. In den Glens bauten sie Gerste für die Whiskyherstellung (vor allem zur Erbauung der Chiefs und Gentlemens) und Hafer an, aus dem sie Brot machten. Es war ein hartes Leben für die Clansmen, doch weil das Vieh beschützt werden musste, entwickelten sie eine hohe Ausdauer und grosses militärisches Können. In der Schlacht irritierte ihr Ungestüm die Lowlander wie auch die Engländer gleichermassen.

In Krieg wie im Frieden war die höchste Tugend der Clansmen ihre Solidarität untereinander und mit ihrem Chief. Idealerweise war ein Clan eine grosse, glückliche Familie, wörtlich genommen. Clann ist das gälische Wort für "Kinder" und Mac ist der gälische Präfix für "Sohn von". Der Ausdruck "Clan MacDonald" bedeutet also "Familie des Sohnes von Donald". Als Patriarch war der Chief im eigenen Territorium omnipotent und entschied, meistens alleine, was gut und was schlecht für den Rest der Familie war. Theoretisch musste er die Zustimmung der Familie haben, bevor er in den Krieg zog. Praktisch entschied er, und die anderen standen hinter ihm. Als Lochiel, Chief des Clans Cameron, Bonnie Prince Charlie seine Unterstützung versprach, sagte er:"Ich teile das Schicksal meines Prinzen, und so wird jedermann, über welchen ich, natürlich oder glücklich, gegebene Macht habe". Zu diesem Zeitpunkt waren die Chiefs dank dem Feudalismus nebst Patriarch auch Eigentümer ihres Landes.

In Friedens- wie in Kriegszeiten war der Chief oberster Gesetzgeber. Entweder sprach er selber Recht, oder er delegierte dies einem Vertrauensmann (meistens ein Mönch des Clans Morrison, der des Lesens und Schreibens kundig war und die Gesetze kannte), der als Richter fungierte und berechtigt war, Bussen auszusprechen und einzuziehen. Auch wenn der Chief einer Versammlung der Chieftains (dazu siehe weiter unten) zu verschiedenen Themen Gehör schenken musste, hatten die Clansmen die Autorität des Familienhauptes zu akzeptieren. Verfehlende Mitglieder wurden einfach nicht toleriert. Aber dies war nur die eine Seite. Das Band der (realen oder nur angenommenen) Verwandtschaft knüpfte eine starke soziale Einheit, und dies war so attraktiv und wichtig in den Highlands, dass einzelne Personen oder auch Gruppen sich an die Clans um Schutz wandten. Um zu unterscheiden, wurden die dem Clan per Blutsverwandtschaft angehörigen Menschen 'native men' genannt, die vom Clan nicht beschützten 'broken men'.

In der Clan-Hierarchie folgten dem Chief der Tanister, der Commander, die Chieftains, die Gentlemen und zuletzt die Clansmen. Tanisterschaft, das System der Nachfolge eines zuvor gewählten Familienmitglieds, gewährleistete die Kontinuität einer starken Führerschaft (im Gegensatz zum feudalen Erstgeburtsrecht). Der Chief nominierte seinen Nachfolger, der ab dann den Titel Tanister trug. Nach ihm folgte der Commander, der oberste Militär des Clans. War der Chief fit genug, hielt er diesen Titel, war er krank oder schon zu alt, übetrug er diese Aufgabe einem Chieftain. Die Chieftains waren die Oberhäupter der einzelnen Familienzweige. Ihnen folgten die Gentlemen, welche Blutsverwandschaft mit dem Chief vorweisen konnten. Zuletzt, doch zahlenmässig die meisten, kamen die Clansmen, die in Friedenszeiten die Handarbeit erledigten und im Krieg kämpften. Obwohl die Hierarchie von den Clansmen, deren Reflektionsmöglichkeiten von den Umständen beschränkt waren, genau beobachtet wurde, so gab es doch keinen Groll ihrerseits. Im Gegenteil, sie waren stolz, mit ihrem Chief und untereinander verbunden zu sein, und die Geschichte zeigte ihre Bereitschaft, für den Clan zu sterben.

Der Solidarität untereinander trug auch die Praxis bei, die Kinder, auch die des Chiefs, untereinander in Pflege zu nehmen und zu geben. So fühlte sich auch der geringste der Clansmen persönlich für die Kinder des Chiefs verantwortlich, und vice versa. General George Wade, dessen Strassen die Highlands öffneten, erkannte einen Teil des Clan-Geistes, als er 1724 in seinem Report an die Regierung schrieb: "Ihre Ansichten über Tugend und Untugend sind ganz anders als die der zivilisierten Welt. Sie denken, es sei eine überragende Tugend, den Befehlen ihrer Chieftains in einer unterwürfigen Art zu folgen, obschon zuwider ihrem Souverän und den Gesetzen des Reiches, und um ihre Treue zu bestärken, werden sie von ihren Chiefs familiär behandelt, teilen ihre Vergnügen mit ihnen und schütteln ihnen die Hände, wo immer sie sich auch treffen." Es ist typisch für ihn, die Highlander als unzivilisiert zu betrachten.


Die erste, in der Geschichte der Clans klar in Erscheinung tretende Person war Somerled, Stammvater des Clan Donald. Er war die Hauptfigur im Widerstand gegen die Norweger, die die Western Isles sowie Orkney und Shetland kontrollierten. Somerled war ein hervorragender Krieger von piktischer und nordischer Abstammung. Nach einer grausamen Seeschlacht 1156 erreichte er die Herrschaft über Man, einer norwegischen Kolonie, was ihm die Kontrolle über alle Western Isles von Bute bis Ardnamurchan Point einbrachte. Im Gegenzug auf ein Treueversprechen anerkannte David I. Somerled's Eroberungen. Doch es gab einen Unterschied: Während für David I. galt, dass Somerled seine Länder direkt von der Krone bekam, betrachtete dieser sich als autonomen Herrscher, als 'King of the Isles'. Um seiner Missachtung der Krone Ausdruck zu geben, segelte Somerled 1164 den Clyde hinauf und plünderte Glasgow. Bei Renfrew traf er auf die Truppen des Steward of Scotland und wurde erschlagen.

Wikinger bei der LandungWikinger bei der Landung.Nichts desto Trotz war sein Einfluss beträchtlich. Aus seiner politischen Ehe mit Ragnhildis, Tochter des norwegischen 'King of the Isles and Man', gingen drei Kinder hervor: Dougall gründete die 'MacDougalls of Argyll and Lorn', Reginald (dessen Sohn den Namen Donald trug) die 'MacDonalds of Islay'. In seiner Behauptung der Unabhängigkeit zu der Krone schaffte Somerled einen Präzedenzfall, welcher von seinen Nachkommen, die 'Lords of the Isles', nachgeahmt wurde.

Nicht viele der Clans handelten harmonisch. Als die nordische Besetzung 1266 beendet war, war Schottland ein Land, in welchem sich Clans gegen Clans erhoben und die Krone verzweifelt versuchte, deren Loyalität zu sichern. Als Beispiel: Obwohl 'MacDougall of Lorn' und 'MacDonald of Islay' dem Bruce entgegenstanden, folgte der Clan Donald des Chiefs Bruder, Angus Og, und kämpfte an Bruce's rechter Seite bei Bannockburn. Diese Treuegeste stärkte die Position der MacDonalds und rettete den disloyalen Mitglieder des Clans vor strafenden Vergeltungsmassnahmen des Bruce (nach Bannockburn beanspruchten die MacDonalds in der Schlacht immer die rechte Seite, eine Tradition, die, katastrophal, bei Culloden von Lord George Murray ignoriert wurde). Spaltungen innerhalb Clanbündnissen waren aber eher die Regel als die Ausnahme.

Schmerzlich bewusst wurde dies für die Beteiligten 1370 bei der Schlacht von Inverhavon. Die Camerons hielten Land in Lochaber, welches die Mackintoshs für sich beanspruchten. Nicht nur wurde der Anspruch immer wieder vorgetragen, die Mackintoshs nahmen Vieh von Camerons Weiden, so zu sagen als Mietzins. Nach einem grösseren Viehraub nun mobilisierten die Camerons 400 Männer und marschierten Richtung Badenoch in das Territorium des Clan Chattan. Diese Konföderation bestand aus den Clans der MacKintoshs, Davidsons, MacPhersons, MacGillivrays, MacBeans und Farquharsons. Es hätte möglich sein sollen, die Camerons mit den vereinigten Kräften des Clan Chattan zu schlagen. Sicher war dies MacKintoshs Gedanke, als er als Captain des Clan Chattan das cran-taraidh (fiery cross = "Feuerkreuz") durch Badenoch sandte, um die MacPhersons und Davidsons zur Schlacht zu rufen.

Beide Clans beanspruchten den Ehrenplatz an der rechten Seite des MacKintosh. Die Auseinandersetzung war immer noch im Gange, als die Camerons das Schlachtfeld betraten. Durch diesen Umstand zur Entscheidung gezwungen, wurde den Davidsons die Ehre zugesprochen. Dies veranlasste wiederum die MacPhersons, das Schlachtfeld zu verlassen und auf der anderen Seite des Spey Platz zu nehmen, um dem Kampf zuzusehen. Durch den wilden Angriff hatten die Camerons die Davidsons in Stücke gehauen und waren gerade dabei, die MacKintoshs aufzureiben, als doch noch die MacPhersons in den Kampf eingriffen und die Camerons in die Flucht schlugen.

Dies war aber noch nicht das Ende der Geschichte. Empört, so viele Clansmen verloren zu haben, holten die Davidsons zu einem Vergeltungsschlag gegen die MacPhersons aus, die entgegenhielten, sie hätten doch die rechte Seite bekommen sollen. Um diese Frage endlich zu beantworten, wurde arrangiert, die Sache vor König Robert III. in Perth auszutragen. 1396 trafen 30 MacPhersons auf 30 Davidsons auf dem North Inch, einem Treffpunkt der Öffentlichkeit in Perth, im Kampf um Leben oder Tod. Die MacPhersons verloren 19 Männer, die Davidsons 29. Nichts wurde entschieden.

Ohne Zweifel war es jetzt der Vorteil der schottischen Krone, den Clans zuzusehen, wie sie ihre Energien und Ressourcen in kleinen Fehden untereinander aufbrauchten, statt sich gegen die zentrale Autorität zu verbünden. Trotzdem wäre ein Bündnis diverser Clans eine formidable Sache. Solch ein Bündnis materialisierte sich zwangsläufig unter der Führung des Lord of the Isles. Somerled, Gründer des Clan Donald, nannte sich King of the Isles, und als Angus Og's Sohn John 1354 Clanchief wurde, nahm er den Titel 'Lord of the Isles' an. Als Lords of the Isles erschienen die MacDonalds als stärkster Clan in Schottland. Ihre Autorität an Schottlands Westküste war nahezu absolut und total, wo sie unter den Anwohnern als Monarchen galten.

Doch John's Sohn Donald, 2ter Lord of the Isles und Chief des Clans MacDonald, war nicht mit dieser Macht und Stärke zufrieden. Um seinen Einfluss auszuweiten, unterschrieb er eine Allianz mit Henry IV. von England. 1411 entschied sich die Nichte seiner Frau, die Countess of Ross, ihre Grafenwürde niederzulegen und ins Kloster zu gehen. Donald beanspruchte sofort die freistehende Grafschaft. Ihm entgegen trat der Sohn des Herrschers von Albany, Buchan, der auch ein Onkel der Countess of Ross war und daher den gleichen Anspruch kund tat. Donald entschied, diesen Fall zu gewinnen, indem er Stärke zeigte und sammelte seine Streitkräfte und die seiner Verbündeten. Er wurde von seinem Clan unterstützt, ebenso von den MacLeans of Mull, den MacLeods of Skye (yeah! Anm. des Webmasters), den Camerons of Lochaber und dem Clan Chattan. Zu den einigen tausend Clansmen kam noch die versprochene Hilfe von Henry IV. Scheinbar unangreifbar marschierten die Truppen getrost Richtung Aberdeen, welches sie zu plündern geplant hatten. Eine kleine MacKay Streitmacht versuchte vergeblich, sie zu stoppen, aber Donald fegte sie hinweg und marschierte weiter. Bei Harlaw, Aberdeenshire, traf er auf eine gut ausgerüstete Armee der Lowlands unter Alexander Stewart. Im Juli 1411 wurde eine unglaublich blutige Schlacht geschlagen, sie ging unter dem Namen 'Red Harlaw' in die Geschichte ein. Donald's Männer zerstörten die Hälfte der Lowland-Armee (übrig blieben knapp 300 Mann), doch konnte er, trotz seiner Übermacht, keinen Vorteil daraus ziehen. Es war eine psychologisch erniedrigende Niederlage für Donald, und er wusste, wenn er sich zurückzog, war seine semi-autonomische Position, getragen von der milit. Stärke, nicht länger haltbar. Er musste seinen Anspruch auf Ross zurückziehen und akzeptieren, nun mehr ein Vasall der schottischen Krone zu sein.

Dieser Ausgang des Streites bestärkte die Position der Krone über den Clans und nagte langsam am 'Highland way of life'. Für die MacDonalds bedeutete dies, dass sie nie mehr in der Lage waren, die Krone herauszufordern. Zuletzt schaffte 1493 James IV. die Lordschaft 'of the Isles' ab. Nominell ist dieser Titel nun in den Händen des 'Prince of Wales'. Wie die MacDonalds fielen, so traten die Campbells in Erscheinung (Campbell kommt vom gälischen Cam-beul, 'krummer Mund' oder 'Krummaul'). James IV, auf seine Geburtsrechte und feudalen Konzepte pochend, bestätigte vielen Chiefs ihre Landrechte per königlicher Urkunde (genannt 'sheepskin grants', früher wurde Pergament aus Rinder-, Schafs- oder Ziegenhaut gewonnen), betonend, dass die Vasallenclans ihren Grundbesitz direkt von der Krone bekamen. James also gab den Campbells of Argyll eine Dreijahrespacht für verschiedene Ländereien, vormals unter Besitz des Lord of the Isles. Mit einem starken, etablierten Rückhalt in Argyllshire unterstützten die Campbells jeden, der ihnen den meisten Gewinn, jedwelcher Art, versprach. So begannen sie auch, ihre Nachbarn zu dominieren. Campbell versuchte mit allen Mitteln, seinen Einfluss über Argyllshire auszudehnen. Das Schicksal der MacGregors illustriert dies eindrücklich.

Rob Roy MacGregor - wohl der bekannteste dieses ClansRob Roy - der wohl Berühmteste der MacGregors.Da die MacGregors ihr Land in Argyllshire und Perthshire nach Clanprinzipien regierten, besassen sie keine schriftlichen Beweise über ihre Besitzrechte an diesen Ländereien. Sie konnten sich auf die Tradition berufen, jedoch nicht auf 'sheepskin grants'. Mit königlicher Bestätigung ihrer Besitztümer begannen die Campbells, die feudale Daumenschraube anzuziehen und verlangten Pacht von den MacGregors. Die Clansmen MacGregors natürlich respektierten nur ihren eigenen Chief und fanden die Idee, dem Mac Chaelein Mor (great son of Colin, die übliche Bezeichnung für den Chief Clan Campbell) oder jedem geringeren Campbell Pacht zu bezahlen, abscheulich. Je mehr MacGregor's Land von Campbell beschlagnahmt wurde, desto mehr Clansmen wurden 'broken men', und der Chief der MacGregors wurde ein blosser Pächter der Campbells of Glenorchy. Im Kampf um ihre Existenz begannen die MacGregors, um Perth und Stirling regelmässig Vieh zu stehlen. Sie waren in einer hoffnungslosen Position und ihre Machtlosigkeit wurde offensichtlich, als der zehnte Chief der MacGregors Widerstand gegen die Campbells ergriff. Er wurde gefangen genommen und am 7. April 1570 in Balloch vor geladenen Gästen geköpft.

Im Jahre 1603 waren die Campbells entschlossen, die MacGregors auszulöschen. Um dies zu erreichen, arrangierte der Earl of Argyll, Chief of Clan Campbell, einen Zwist zwischen den MacGregors und den Colquhouns of Luss, Dumbartonshire. Der Ursprung des Zwistes war aber beachtlich. Bei einem Überfall auf das Territorium von Luss erbeuteten die MacGregors 300 Rinder, 100 Pferde, 400 Schafe und 400 Ziegen. Eine 300 Mann starke Streitmacht der MacGregors, inkl. Unterstützung der MacFarlanes und Camerons, trafen auf 700 Colquhouns im Glenfruin am 8. Februar 1603. Schaulustige Studenten und andere aus Dumbarton und Vale of Leven wollten sich die Schlacht anschauen, doch nur die perversesten der Zuschauer konnten das Spektakel geniessen. Die MacGregors teilten ihre Armee und griffen von zwei Seiten an; 140 Colquhouns zu 2 MacGregors fielen. James VI, gerade im Aufbruch nach England begriffen, um die zwei Kronen vereinen, war wütend über diese Präsentation von blutdürstiger Uneinigkeit vor seiner Haustüre. Bevor er nun Schottland verliess, liess er den Staatsrat das Gesetz verabschieden, das die MacGregors und ihren Namen ächtete und Versammlungen von mehr als vier Clanmitgliedern verbot. Jede Hoffnung der MacGregors auf die Hilfe von anderen Clans löste sich schnell in Rauch auf. Männer wie Lochiel, Chief des Clans Cameron, oder Clanranald verfolgten die Geächteten mit Vergnügen.

Und Mac Chaelein Mor übertraf sich selbst. Alastair MacGregor, elfter Chief, ergab sich dem Earl of Argyll unter der Bedingung des Versprechens, dass der Chief freies Geleit nach England bekam, um für den Fall seines Clans beim König vorzusprechen. Argyll war einverstanden, brachte MacGregor nach Berwick, um sein Versprechen einzulösen, und dann nach Edinburgh zur Exekution zurück. Trotz ihrer Erfahrung aus 139 Jahren Verfolgung, hatten die MacGregors, nach der Wiedereinsetzung des Clans 1775, noch eine kurze Zeit der Restoration - 826 Clansmen outeten sich als MacGregors. Eine bemerkenswerte Demonstration der aus dem Clanprinzip hervorgehenden, emotionalen Bindungen.

Doch die Clans waren alles andere als einig. Sie teilten sich die gleichen Gewohnheiten und die gleiche Lebensart, waren sich selbst aber die erbittertsten Feinde. Die einzige Sache, zu der sich zahlreiche Clans verbündeten, war zur Unterstützung der Stuart Dynastie. Es existierte eine übergreifende Zustimmung, vor allem der katholischen Clans, dass der Stuart den Chief of Chiefs darstellte. Jedoch waren die Stuarts nicht auffallend freundlich zu anderen Clans. Was sie interessierte, war die Gleichschaltung der Highlands und den Lowlands.

Abtei auf Iona und St. Martin's CrossIona AbbeyJames der IV. und I. zum Beispiel, wütend über die Blutfehden und Streitereien unter den Clans, sandte Lord Ochiltree aus, assistiert von Andrew Knox, Bishop of the Isles, um das Gesetz auf den Inseln zu etablieren. Die Chiefs, unter andern MacLean of Duart, Donald Gorm of Sleat, Clanranald, MacLeod und MacLean of Ardgour, wurden ins Castle Duart befohlen, bevor die Einladung auf Ochiltree's Flaggschiff erfolgte, um einer Predigt des Bischofs beizuwohnen. Sie bekamen mehr als eine Predigt. Sobald alle Chiefs an Bord waren, legte das Schiff ab und segelte nach Edinburgh, wo sie eingekerkert wurden. Sie würden freigelassen werden, wenn sie Knox in seinem Vorhaben, die Inseln zu reformieren, unterstützten. Diese neun Chiefs trafen sich in 1609 auf Iona und unterschrieben die 'Band and Statutes of Icolmkill', die sogenannten 'Statuten von Iona'. Die Bestimmungen verlangten Gehorsam zum König, stellten eine Lowland - Ausbildung der Clanjugend sicher, verbaten Feuerwaffen und Handfasting (eine Art Konkubinat) und appellierten zur Mässigung im Konsum von Alkohol und Unterhaltung. Die Absicht war natürlich, die Highlands endlich zu zivilisieren.


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